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Nachgefragt bei ... Sabine Feierabend

Sabine Feierabend

© privat

Frau Feierabend ist Referentin im Bereich Medienforschung/Programmstrategie beim Südwestrundfunk und als Co-Autorin an der Konzeption der JIM- und KIM-Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest beteiligt.

 

Die KIM-Studie 2016 ist aktuell erschienen, herausgegeben vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest. Befragt wurden 6- bis 13-jährige Kinder zum Stellenwert der Medien in ihrem Alltag. Wie ticken denn Kinder heutzutage in Deutschland, was ist denen besonders wichtig?


Ohne Zweifel schreitet die Digitalisierung des Alltags immer weiter voran und macht natürlich auch vor Familien mit Kindern keinen Halt. Nach wie vor bleibt Freunde treffen und (draußen) Spielen die liebste Freizeitaktivität, aber auch das Fernsehen spielt vor allem bei den Jüngeren eine große Rolle. Mit zunehmendem Alter nehmen Hausaufgaben und das Lernen einen größeren Stellenwert ein, besonders starke Zuwächse sehen wir aber auch beim Musikhören und dem Spielen an PC, Konsole oder online. Auch die Bedeutung von Handy/Smartphone und dem Internet nimmt dann deutlich zu.

 

Wo zeigen sich evtl. neue Tendenzen – im Unterschied zur letzten KIM-Studie 2014?


Tablet-PC sowie Handy/Smartphone und damit verbunden auch die (mobile) Internetnutzung spielen bei Kindern immer früher eine Rolle. Dies zeigt sich sowohl in der Ausstattung der Haushalte (die nur bei Smartphones und Tablet-PC nennenswert angestiegen ist), aber auch bei der Nutzung durch die Kinder selbst (die des Tablets hat sich beispielsweise im Vergleich zu 2014 verdoppelt). Und natürlich nutzen auch Kinder Bewegtbild – also Fernsehinhalte, Videos, Filme – zunehmend auf den unterschiedlichsten Plattformen und Endgeräten, linear oder on demand. Bei Kindern, die das Internet nutzen, ist natürlich auch YouTube inzwischen ein großes Thema. Daneben ist das Internet aber auch im Kontext Schule immer wichtiger – allerdings eher für die Unterrichtsvor- oder Nachbereitung, seltener im Unterricht selbst.

 

Wie sieht der Medienalltag der 6-Jährigen heutzutage aus?


Der Medienalltag dieser Altersgruppe ist maßgeblich durch das Fernsehen geprägt – 88 Prozent sehen jeden bzw. fast jeden Tag fern. Ein Viertel kommt mit dem Radio in Kontakt, 14 Prozent lesen Bücher und genauso groß ist der Anteil derer, die nahezu täglich Umgang mit digitalen Spieleoptionen an PC, Konsole oder online haben. Für 12 Prozent gehören Hörspiele zum Alltag. Handy/Smartphone (7 Prozent), Computer (6 Prozent) oder Tablet-PC (4 Prozent) sind nur in Ausnahmefällen regelmäßig im Alltag verankert, auch wenn der Kontakt zu diesen Medien natürlich besteht.

 

Das Lesenlernen mit Büchern müssen sich viele Erstklässlerinnen und Erstklässler „erarbeiten“, der Leselernprozess ist langwierig. Wie groß ist da die Konkurrenz von Fernseher und digitalen Medien? 

 
15 Prozent der 6- bis 13-Jährigen lesen täglich außerhalb des Kontext Schule in einem Buch, weitere 33 Prozent tun dies ein- bis mehrmals pro Woche. Bei den Schulanfängerinnen und Schulanfängern (6 und 7 Jahre) sieht das fast genauso aus (14 bzw. 29 Prozent), die eigene Lesefertigkeit scheint also eher eine nachrangige Rolle für die Zuwendung zum Buch zu spielen. Natürlich sind elektronische Medien eine vergleichsweise große Konkurrenz, aber das ist kein Spezifikum, das nur für Schulanfänger gilt. Im Gegenteil weisen Fernsehen und digitale Medien ja mit zunehmendem Alter der Kinder eine intensivere Nutzung auf – für das Buch gilt das weniger.

 

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Research Now landet in sieben Prozent aller Schultüten ein Smartphone als Einschulungsgeschenk. Wie sind im Vergleich dazu Ihre Zahlen? Sehen Sie darin eine Entwicklung?


Die Eltern, die im Rahmen der KIM-Studie 2016 befragt wurden, gaben zu vier Prozent an, dass ihre Kinder im Alter zwischen 6 und 7 Jahren ein eigenes Smartphone besitzen. Mobile Telefone insgesamt fanden sich bei 12 Prozent dieser Altersgruppe. Hier trifft der Wunsch der Kinder nach einem „Prestigeobjekt“ auf ein vermeintlich besseres Sicherheitsgefühl der Eltern. Ich rechne damit, dass sich die Ausstattung auch jüngster Kinder weiter erhöhen wird.

 

Viele Eltern gerade von jüngeren Kindern machen sich Gedanken über den Medienkonsum ihres Nachwuchses. Auch Grundschullehrkräfte geben mittlerweile auf Elternabenden Ratschläge zu einem maßvollen Mediengebrauch. Gibt es eine Art „Faustregel“, die Sie Eltern und Lehrkräften mitgeben können?

 
Vielleicht könnte man sagen: „So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.“ Es gibt Zeiten, in denen eine intensivere Nutzung von TV, PC, Smartphone und Internet wichtig für das Kind und damit „sinnvoll“ ist. Dann wieder macht es Sinn, den Konsum einzuschränken und den Blick wieder stärker auf andere, nicht-mediale Tätigkeiten zu lenken. Medien gehören zum Alltag dazu, der (individuell) richtige Umgang muss gelernt werden. Und Eltern sollten natürlich auch immer an ihre Vorbildrolle denken: Haben sie selbst immer das Smartphone im Blick, dann lernen Kinder, dass dieses Ding extrem wichtig ist!

 

Lesen Sie denn selbst gerne vor? Aus Büchern – oder lieber vom Tablet? Haben Sie einen persönlichen Buchtipp – gerade für Erstklässlerinnen und Erstklässler?


Als Mutter eines Sechsjährigen bin ich selbst begeisterte Vorleserin – am liebsten aus einem Buch. Man kann so schön sehen, wie lange die Geschichte ist, wie viel man von einem dicken Buch schon geschafft oder wie lange es bis zum Ende dauert. Für Schulanfängerinnen und Schulanfänger sind natürlich alle Geschichten rund um den neuen Lebensabschnitt interessant, aber auch Klassiker wie „Der kleine Wassermann“ oder „Das Urmel“ kommen bei meinem Sohn gerade gut an. Als kurze Gute-Nacht-Geschichte gefällt uns aber gerade auch „Frau Hoppes erster Schultag“ von Axel Scheffler gut.

 

Vielen Dank für das Interview!


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